Zur Baugeschichte:

Wie viele alte Gebäude ist unsere Kirche nicht in einem Guss entstanden, sondern in mehreren Bauphasen. Weil man immer wieder das Neue einfach über die alten Teile gebaut hat, entzieht sich uns der genaue Zeitpunkt der Gründung. Die Ortschaft Ganterschwil wird 779 (damals noch als Cantrichesvilare) erwähnt. Möglicherweise stand da auch schon die erste Form des Gebäudes - wir wissen es nicht. Fest steht aber, dass es sich ursprünglich um zwei getrennte Gebäude gehandelt hat: Zum einen eine Kirche etwa in der Grösse des heutigen Kirchenschiffs, die romanischen Ursprungs ist. Zum anderen gab es einen frei stehenden Turm, der vermutlich gegen Ende des ersten Jahrtausends gebaut wurde, und zwar wohl ursprünglich als Wachtturm.

Ab 1245 hatte die Kirche dann ihren ersten eigenen Pfarrer.

1438 wurde die Kirche an der Seite des heutigen Chorraums auf die jetztige Grösse verlängert (ohne Chorgestühle). Der Mauerabschluss erhielt die heutige dreikantige Gestalt, und in den Scheitel wurde ein zweigeteiltes Masswerkfenster eingelassen, dass so genau den Sonnenaufgang begrüsst. (Wie alle alten Kirchen ist auch diese orient-iert, also nach Osten ausgerichtet). Ebenfalls aus vorreformatorischer Zeit stammen zwei der vier Glocken im Kirchenturm.

 

1438 entstanden auch die ersten Malereien in der Kirche, aber an dieser Stelle wollen wir uns auf das Mauerwerk konzentrieren. Nur soviel: die meisten Bilder entstanden rund 40 Jahre später, wobei man die alten Verzierungen einfach übermalte.

1488 wurde die Kirche "neu gebaut", das bedeutet vermutlich am westlichen Eingansende verlängert. 1714 oder 1766 wurden wohl unter dem Einfluss der Reformation die Wände weiss getüncht, das Masswerkfenster entfernt und durch eine Mauer ersetzt, dafür baute man zwei neue Fenster links und rechts in vom vorherigen Fenster in die Ostmauer ein. Die reformatorische Idee war, dass nicht der äusserliche Zierrat sondern die Andacht der Gläubigen der Schmuck der Kirche sein sollte. ... Wie auch immer, die Kirche wurde seit 1711 paritätisch benutzt, also von Katholiken und Protestanten. 1761 wurde noch die Kanzel beigefügt; das Werk wurde von einem einheimischen Zimmermann gefertigt. Die Kirchturmspitze wurde zweimal umgebaut: 1894 wurde der Turm niedriger gemacht, und 1973 erhielt er wieder seine ursprüngliche Form (aufgrund von Zeichnungen von 1860). Ende der 80er Jahre wurde im Zuge einer Aussenrenovation das alte gotische Ostfenster wieder geöffnet und restauriert. Das wurde möglich, weil die Fensterrosette die Jahrhunderte im Kirchenturm herumliegend überdauerte...

1940 brachen die Katholiken in ihre eigene Kirche auf. Bei der aus diesem Anlass durchgeführten ursprünglich bescheiden geplanten Renovation der Kirche stiess man unter der Tünche auf die Bilderreihen - dass es diese jemals gegeben hatte, wusste vorher kein lebender Mensch mehr!